Mädchenband
Penny (Gesang)
Penny war die beste Schülerin unserer Klasse. Und das war sie, obwohl sie nie auch nur einen Zacken für die Schule tat. Vermutlich gab es sonst niemanden, der so faul und gleichzeitig so gut war wie sie. Das einzige, was Penny wirklich mit Ausdauer tat, war singen. Singen und Songs schreiben und mit ihrer Band proben.
Ilayda (Schlagzeug)
Ilaydas Familie kam aus der Türkei und etwas von der Härte des Lebens in Anatolien umgab sie wie andere Mädchen Parfum. Vom Schlagzeugspielen waren ihre Arme zäh, hart und fest. Alles an Ilayda war zäh, hart und fest. Schwänzen kam für Ilayda nicht in Frage, einen Probetermin der Band verpasste sie nie. Das einzige, was mich mit Ilayda verband, weshalb ich ungefähr wusste, wie sie war und dass in ihrem Zimmer Poster anatolischer Höhenzüge neben denen von Christina Aguilera oder Rihanna hingen, war ihr Bruder Aikal, den alle im Jahrgang Eierkalle nannten.
Anna (Gitarre)
Anna sah eher schön als gut aus. Fast etwas zu schön. Sie schminkte sich nicht, weil ihr Gesicht auch ohne Schminke perfekt war. Ihre Augenbrauen sahen aus wie gezupft, waren es aber nicht. Ich kannte einen Haufen Jungs, die scharf auf Anna waren. Wenn Anna auf der Bühne rockte, dann schien sie selbst zu vergessen, dass sie schön war. Dann flogen die Haare, die Füße, die Fetzen.
Britt (Bass)
Ihr kennt diese typische Bassistenhaltung. Die Bühne explodiert, die Sängerin wirft sich ins Publikum, die Schlagzeugerin wirbelt hinter den Drums und die Gitarristin zerschlägt ihre Gitarre. Nur die Bassistin steht da wie eine Götze, zupft an den Saiten, den Kopf vorgebeugt, leicht im Takt wippend, vielleicht auch noch eine Zigarette im Mundwinkel und alles scheint an ihr vorbei zu gleiten, als ob sie nicht von dieser Welt wäre. Sie sah übrigens gar nicht schlecht aus. Ein bisschen zu gleichgültig sich selbst gegenüber für meinen Geschmack.

